CAFÉ DRECHSLER, Wien (Österreich)
Linke Wienzeile 22, 1060 Wien (6. Bezirk)
Tel. +43–1–581 20 44
Öffnungszeiten: Montag 8 Uhr bis 2 Uhr morgens, Dienstag bis Samstag 3 Uhr bis 2 Uhr morgens, Sonntag 3 Uhr bis 24 Uhr
www.cafedrechsler.at
Wenn ich ganz ehrlich bin, ist über das alte und neue Café Drechsler schon soviel passendes geschrieben worden, dass ich das ganze Drama des Niedergangs und die freudige Nachricht der Wiedereröffnung gerne mit entsprechenden Links versehen möchte. Trotzdem hier die eigene Meinung: Das Café Drechsler am Naschmarkt ist und bleibt eine Institution - doch mit dem alten Herrn Drechsler ging auch das Original. Das wahre Café Drechsler ist tot, aber es lebe das neue Café Drechsler....
Der STERN brachte die Tragödie in dem Beitrag "Naschmarkt - ein Wintermärchen" im Januar 2006 ( http://bit.ly/2GldPm) auf den Punkt:
" Der Herr Drechsler ist nicht etwa tot. Viel schlimmer: Er hat zugesperrt. Ohne Vorwarnung, einfach so. 'I mog nimma', hat er gesagt und sein Kaffeehaus geschlossen. Das Café Drechsler an der Ecke Linke Wienzeile 22/Girardigasse war legendär. Wenn bald nach Mitternacht die Etablissements dichtmachten und die Zecher ausschlossen, dann blieb nur noch der Drechsler am Naschmarkt. Der sperrte um drei Uhr früh auf. Und jetzt? Seit 1914 stand das Lokal am gleichen Ort.
1957 übernahm Engelbert Drechsler es von seinem Vater, wie der von seinem. Engelbert Drechsler, 77, ist ein eher mürrischer Herr, schlank, grau, nicht sehr redselig. Einmal hat er einem Stammgast verraten, dass er auf "Columbo" im Fernsehen steht. Extremere Gefühlsausbrüche sind nicht überliefert. Stets trug er im Dienst Anzug und Krawatte und schwieg freundlich.
Zum Wirt eignete er sich wie Gerhard Schröder zum Eheberater, doch unter den Händlern, Markthelfern und Restaurateuren galt er als eines der letzten Originale des größten und berühmtesten der 27 Wiener Märkte. Denn Engelbert Drechsler verrichtete, aber nur für ausgewählte Kundschaft, eine Spezialdienstleistung.
Mehr als 30 Jahre lang, bei jedem Wind und Wetter, servierte er aus seinem Kaffeehaus direkt an die Stände. Mit einem braunen Tablett auf der Linken balancierte er in der Früh zwischen sechs und sieben Häferln mit dampfendem Milchkaffee. Mittags trug er Deftiges wie Reisfleisch oder Specklinsen mit Knödel. Damit alles schön warm blieb, querte er die dicht befahrene Linke Wienzeile riskant und abseits aller Ampeln, dafür aber mit einer so strengen Miene, dass selbst die gnadenlosesten Wiener Autofahrer für den hurtigen Kauz bremsten."
Inzwischen hat das neue Café Drechsler wieder geöffnet. Erfahrungsberichte, Hintergründe, Einschätzungen, Empfehlungen und Erinnerungen gibt es hier:
http://blog.brigitte.de/wien/2008/03/vorher---nachhe.html
und dann auch noch hier:
http://www.planet-vienna.com/spots/drechsler/drechsler.htm
http://gad.twoday.net/stories/3037724/
http://kafdys.blogspot.com/2007/03/caf-drechsler.html
http://pivu.wordpress.com/2007/02/26/wucher-am-naschmarkt/