BAR PILAR, Valencia (Spanien)

13 Calle del Moro Zeit, 4601 Valencia, Spanien, Telefon: +34 96 391 0497
Einige Anmerkungen vorweg: Valencia ist sehr wahrscheinlich eine der meist unterschätzten Städte Spaniens. Sie hat kulturell und gastronomische eine Menge zu bieten. Natürlich auch die beste Paella der Welt! Ein Vorurteil? Nein. Ich traf in Burgos einen arg übergewichtigen Amerikaner, der stilecht einen Pappbecher mit Cola in der Hand hielt. Wir kamen ins Gespräch, ein Satz blieb in Erinnerung: "Junge, wenn Du wirklich die beste Paella Deines Lebens essen willst, dann musst Du nach Valencia." Gesagt habe ich: "Sicher, auf alle Fälle!" Gedacht habe ich: "Was Du so alles weißt. Sehr wahrscheinlich haste 'nen Burger mit Gambas und Reis verdrückt und jemand hat sich einen Spaß daraus gemacht, Dir diesen Fraß als Paella zu verkaufen." Aber: Der Mann hat Recht. Paella => Valencia => und nur Valencia...
Und dann gibt es dort in der Altstadt noch die älteste Tapas-Bar der Stadt (1918 gegründet). Sie heißt "Pilar" und ist bekannt für ihre gedämpften Muscheln in pikanter Sauce. Bei den Einheimischen wird sie unter dem Titel "La Pilarica" geführt. Früher hat man diese clóchinas dort direkt am Tresen vernascht und die leeren Schalen achtlos auf den Boden geworfen. Seit einigen Jahren gibt's im "Pilar" eine echte Innovation: große Plastikschalen unterm Tresen - damit zart besaitete Touristen keine Zustände ob der mangelnden Hygiene bekommen...
Die Speisenkarte ist klein, fein und übersichtlich. Eine "Tortilla individual" wird nach der Bestellung frisch in der Küche gemacht, die Weine sind guter Durchschnitt. Die gewohnt deutsche Bestellhektik im durch Frühbucher-Rabatt getakteten Hirn sollte man allerdings im Hotelzimmer lassen. Hier geht alles seinen Gang, immer hübsch der Reihe nach, und hetzen muss hier keiner.
Diese Besonderheit macht das "Pilar" schon sehr speziell: Die Tische draußen an der Calle sind (wie überall, nicht nur in Spanien) sehr begehrt. Aber hier kann man keinen Tisch reservieren! Wer zuerst kommt, sitzt auch zuerst. Und wenn alle Tische besetzt sind? Dann kommt die große Stunde des "Pilar"-Nachrück-Systems. Es werden kleine bunte Zettel mit Nummern ausgegeben. So wie beim örtlichen Arbeitsamt. So kommt es, dass Paare draußen im Stehen ihren Aperitivo genießen, einen Zettel in der Hand halten und ganz artig (aber ungeduldig!) warten, bis sie an der Reihe sind. Und wenn sie dann erstmal sitzen, hat sich das Warten gelohnt. Immer. Garantiert.
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